ESTHER EVEN

Esther Even ist künstlerisch immer eigene Wege gegangen, sie verbindet in ihren Werken Fotografie eng mit Malerei. Sie hat im Laufe ihres Schaffens ihre eigene, in dreidimensionale Bewegtheit weisende Aufnahmetechnik entwickelt. Ihre Fotografien wirken wie gemalt, und doch entstehen diese Bilder im Aufnahmemoment. Esther Even hält ihre fotografischen Editionen klein. Durch Übermalen schafft sie überdies Unikate aus Fotografie und Malerei. In lyrischer Kurzprosa kommentiert sie jedes ihrer Bilder, die Texte sind Teil des jeweiligen Werks.

Über ihren Ansatz spricht sie in ihrem Film „Bilder die gemacht werden wollen“:
Esther Even zeigt in ihrem Ausstellungsreigen „Farben der Wahrnehmung“ wechselnd windbewegte Landschaften, kraftvolle Tableaux von Ozeanen und hauchzarte Ansichten stiller Gewässer. Ewiges und Wahres.

Als Photomalerin hat man mich kürzlich bezeichnet. Das ist vermutlich zutreffend.

Das Lyrische ist mir in beiden Disziplinen wichtig, in der Sprache wie auch in der Bildenden Kunst. Bilder können einen lyrischen Rhythmus haben wie Sprache auch.

Zum Medium PhotoGraphie bin ich über Umwege gekommen. Und damit zur Bildenden Kunst zurück gekehrt.

Es geht um Abstraktion. Um die perzeptive Abstraktion dessen, was ist. Und damit um Sichtbarkeit, um Sichtbarmachung.

Wahrnehmung ist das Wesentliche: Sehen, wie Licht verläuft. Sehen, wie Licht sich verändert im Farbspektrum.

Wesentlich ist die Fähigkeit zu sehr hoher Aufmerksamkeit. Warten können, und dann punktgenau Handeln. Wenn ich aufnehme, weiß ich in jeder Hundertstel-Sekunde sehr genau, was ich tue. Ich bin im Grunde ein einziges großes Sehorgan.

Der kreative Prozess ist immer gleich. Es zeigen sich Bilder, im Geist, vermutlich sind sie im Unterbewusstsein längst angelegt. Und irgendwann beginnt die Uhr zu ticken. Der Prozess ist in Gang gesetzt. Das dauert manchmal Wochen. Es ist unterschwellig spürbar über eine Unruhe, freudige Erregung, über eine Erwartung.

Und dann präzisiert sich das, was an die Oberfläche drängt. Das Bild, das geschaffen werden will. Plötzlich weiß ich, welche Lichtstimmung die richtige ist. Wenn der Ort noch nicht klar ist, zeigt sich in einer Sekunde der Ort. Manchmal muss ich dazu einen Flug buchen, manchmal nicht. Dann gibt es kein Halten mehr.
Das ist im photographischen Aufnahmeprozess exakt so wie in der Malerei.

In diesem Prozess kann man mich nicht unterbrechen. Niemand könnte mich stoppen. Es gibt Bilder, die gemacht werden müssen. Und wie es mir scheint, die gemacht werden wollen.

I was termed a photo-painter recently. That is probably true.

The lyrical has always been important to me in both disciplines – in language as well as the visual arts. Pictures can have a lyrical rhythm to them, just like language.

The photographic arts I discovered only after a roundabout route. It was then that I went back to the visual arts.

It's about abstraction. The perceptive abstraction of that which exists. And about visibility, about visualization.

Perception is what matters: seeing how light flows, and seeing how light changes in the colour spectrum.

It's essential to be able to pay very close attention. To be able to wait, and then act with perfect timing. When I take a picture, I know very precisely what I'm doing in every hundredth of a second. Basically, I'm one big organ of vision.

The creative process is always the same. Images appear, in the mind – they were probably already there long ago, subconsciously. And at some point the clock starts ticking. The process is set in motion. Sometimes it takes weeks.  You can feel it subliminally, as a restlessness, a feeling of joyous excitement, a sense of anticipation.

And then whatever is pushing its way to the surface becomes precise: the picture that wants to be taken. Suddenly I know which is the right mood for the light. If the location is not yet clear, it reveals itself in a second. Sometimes I need to book a flight, sometimes not. And then there's no holding back. In that respect, the photographic process is just like painting.

During this process I cannot be interrupted. No one can stop me. There are pictures that need to be taken – and, it seems to me, that want to be taken.

On m’a qualifiée de photo-peintre. C’est peut-être vrai.

Le lyrisme est pour moi important dans les deux disciplines, dans la langue comme dans les arts visuels. Les images peuvent avoir le même rhytme lyrique qu’ une langue.

Je suis venue à la photographie un peu par hasard. Et ainsi je suis retournée vers les arts visuels.

L’abstraction. L’abstraction perceptive de ce qui existe. Et puis la visibilité. Et le rendre-visible.

La perception est ce qui compte. Voir comment luit la lumiere. Voir comment la lumiere change dans le spectre des couleurs.

Il est essentiel d’ être capable d’ une infinitésimale attention. Pouvoir attendre et puis agir au moment opportun. En saisissant des images je sais à chaque centième de seconde ce que je fais. Dans le fond, je suis un organe visuel.

Le processus créatif est toujours le même. Des images se montrent, dans l’esprit; il semble qu’elles sont là, dans l’inconscient, depuis toujours. Et à un moment le temps commence à couler. Le processus est lancé. Cela peut prendre des semaines. Je peux le ressentir à travers une inquiétude, une excitation joyeuse, une anticipation.

Et là tout se précise, tout remonte à la surface. L’image qui veut être créée. Je sais soudainement quelle est la meilleure humeur de la lumiere. Si le lieu n’est pas clair, il se montre en une seconde. Parfois je dois réserver un vol pour cela, parfois pas. Et là, plus rien ne peut me retenir. Ça vaut pour le processus photographique comme pour la peinture.

Dans ce processus rien ne peut m’arrêter. Personne ne pourrait m’arrêter. Il y a des images qui doivent être faites. Et il semble qu’elles veulent être faites.